Am Anfang - Im Aufbau !  Stand 19.02.2005
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Zu den Fotoalben:    Das Album von Kurt Zinser   (Danke an Kurt Zinser für seine Foto-CD!)
Hier noch Beispiele von anderen Gruppen: Fotoalbum Peking   Fotoalbum Shanghai

VDI Bodensee-Bezirksverein 
China Reise 2004

vom 30.10.bis 12.11.2005

"China – Aufbruch in die Zukunft

„China boomt“ sieht und liest man fast täglich. Auch Unternehmen vom Bodensee sind dort schon lange tätig. Ein erfahrener „Chinese“ ist der ehemalige Vorsitzende unseres BV, Karl Lohaus, der es sich allen Problemen zum Trotz nicht nehmen ließ, uns Mitgliedern dieses faszinierende Land auf einer Rundreise vom 30.10. bis 12.11.04 auf beeindruckende Weise näher zu bringen. Wir, die wir das Glück hatten dabei gewesen zu sein, danken ihm für diesen großen Einsatz.

"Mein Bild von China hat sich gewandelt“, so oder ähnlich lauteten die Worte, als sich die Teilnehmer nach der Exkursion auf dem Flughafen verabschiedeten. Es war eine außergewöhnliche und perfekt durchgeführte Reise, darüber waren sich die 85 Teilnehmer einig. Auch die, die China schon kannten.

Versammelt hatte sich die Hälfte der VDI-Gruppe auf dem Flughafen Friedrichshafen und füllte fast vollständig einen Flieger der Eurowings nach Frankfurt. Die restlichen Teilnehmer reisten von ihren Wohnorten getrennt an. Pünktlich um 20.30 Uhr gingen wir zum Nachtflug an Bord.  Erwartungsfroh entstiegen alle am nächsten Morgen dem Lufthansa-Jumbo in Beijing, um sich dem Immigration Officer zu stellen - in alphabetischer Reihenfolge gemäß Gruppenvisum. Dann ging es in drei bereitstehende Busse, jeweils mit einem deutschsprachigen Führer besetzt. Wir fuhren, es war Sonntag, gleich über eine vierbahnige Autobahn mit chinesisch und englisch beschrifteten Hinweisschildern.
Erstes Ziel war der
Sommerpalast.
            

Nach anfänglichem Regen  trat die Sonne hervor und wir konnten erste Eindrücke sammeln: Überall Menschen, Menschen, Menschen. Es gab einfach Gekleidete vom Land sowie solche in mongolischer Tracht, die uns „Langnasen“ unsicher anblickten und viele unbekümmerte  junge Familien, westlich-modisch gekleidet. Oft waren es Gruppen, an roten, gelben oder grünen Mützen und Fähnchen schwenkenden Führern zu erkennen und alle schienen sich gegenseitig vor Denkmälern zu fotografieren. Es war der Querschnitt eines Vielvölkerstaates. Auch wir waren überrascht vom Reiz der am  Kunming-See gelegenen weitläufigen Gartenanlage mit bunten Tempeln und Pagoden und dem Ausblick auf die 17-Bogen-Marmorbrücke. Wir durchwanderten den langen Wandelgang mit seinen Malereien bis zum Schmucktor und erblickten schließlich die Drachenboote und das Marmorschiff.
Nachdem wir unsere erste echte chinesische Mahlzeit eingenommen hatten - das Essen mit Stäbchen gelang erstaunlich gut - ging es zu einem Höhepunkt der Reise, dem Kaiserpalast. Einzelheiten hier zu schildern ist nicht erforderlich. Es sei auf die Reiseliteratur verwiesen.  Aber soviel sei gesagt: den
Tian`anmen- oder Platz des Himmlischen Friedens und die Verbotene Stadt mit ihren Baudenkmälern muss man zu Fuß durchquert haben, um die beeindruckenden Ausmaße und die an den Fassaden und sonstigen Verzierungen enstandene Symbolik erfassen zu können.

Begriffe wie Halle zur „Wahrung der Harmonie“ ( es gab sogar eine Höchste und eine Mittlere Harmonie!),“Tor zur Himmlischen Reinheit“, der „Irdischen Ruhe“ , Pavillon des „Angewandten Wohlwollens“ und der „Vornehmen Rechtschaffenheit“ umschwirrten uns. Ja und dann gab es noch das Mausoleum für den großen Führer Mao. Martialisch dreinblickenden Wachen standen davor, aber ein Anziehungspunkt für die Chinesen schien es nicht mehr zu sein. So schnell vergeht Ehrfurcht. Unsere Fotografen hatten hier, wie fast immer unterwegs, offensichtlich Petrus` Sympathien gehabt. Die Sonne schien und sie konnten unentwegt „abdrücken“. Die, die auf Postkarten aus waren, suchten allerdings vergeblich nach Kiosken. Es gibt sie scheinbar in ganz China nicht, nur fliegende Händler bieten Blocks zu 10 Karten an.
Dann ging es endlich zum
„Kunlun Hotel“, was in chinesischen und lateinischen Lettern an der mehr als 20 Stockwerke hohen Granit-Fassade stand. Überrascht wurden wir durch perfekten Service. Unsere Zimmerschlüssel bzw. Plastikkarten hatten wir bereits mittags empfangen. Es erfreute uns, dann die Koffer bereits im Zimmer vorzufinden! Die Zimmer, auch in den folgenden Hotels, waren geräumig, modern,  mit Einzelbetten und guten Matratzen ausgestattet. Im Schrank befanden sich stets Bademäntel und hygienisch verpackte Hausschuhe sowie einen Safe und im TV gab es die Möglichkeit die „Deutsche Welle“ zu sehen, ein erfolgreiches Werbeschaufenster für unser Land. Auch Sicherheitshinweise, Taschenlampen für den Notfall und sogar Rauchschutzmasken fanden wir im Schrank.
Ein köstliches Abendessen erwartete uns im Yi-Ling-Hotel: Nach den von 40 Köchen bereiteten 12 Vorgerichten wurde die berühmte Peking-Ente gereicht. 16 Tiere mussten für uns ihr Leben lassen. Zum Schluss kam die Suppe, wie es dort üblich ist. Obwohl auch dieses Essen leicht war, wozu der grüne Tee sicher beitrug, offerierte man zur Verdauung noch einen 56 %igen Reisschnaps. Er ist uns wohl bekommen! Um 20.30 Uhr brachen wir auf und zogen uns alle recht schnell in die Zimmer zurück, um endlich schlafen zu können.

Montag, 01. November. Wecken um 7 Uhr, denn um 8 Uhr ging es per Bus über einen der fünf Autobahnringe quer durch die 14-Millionenstadt. Mit uns waren Heerscharen von Radfahrern aber auch Blechlawinen unterwegs. Wie wir hörten, versuche man dem Verkehrsinfarkt durch Zulassungskontingente vorzubeugen. Es ging Richtung Badaling zur „Großen Mauer“. Unterwegs wurden wir sanft in eine Süßwasser-Perlenzucht geleitet, die allerdings mehr Verkaufsraum war – ein Pflichtprogramm für die Fremdenführer. Danach hielten die Busse im Anblick der Mauer, in der „Hallostraße“, wie die Führer sagten. Das bekamen wir sogleich bestätigt. Aus allen Buden entlang der Straße erschallte der Ruf „Hallo“, der zum Kauf animieren sollte: Alle Marken von Anoraks und Rucksäcken waren hier genauso zu finden wie Seidentücher, Burberry-Schals und natürlich Uhren, letztere und sicher manche andere Artikel waren Plagiate.
Zur Mauer nur so viel: Imposant, sehr steiler Aufstieg und kalter Wind. Unsere netten Führer waren gute Botschafter ihres Landes, nur ihre Aussprache anfangs gewöhnungsbedürftig. Das „R“ zu sprechen bereitete ihnen Probleme, was dann so klang „will fallen jetzt ab“ (wir fahren jetzt ab). Dafür lernten wir schnell, dass „Nihau“ Guten Tag und „Chiä Chiä“ Danke heißt, womit man auch aufdringliche Verkäufer und Bettler abweisen konnte. Aber penetrante Händler wollten absolut nicht verstehen, dass wir an den so günstigen „Lolex“-Uhren kein Interesse hatten. Der Weg zum Essen führte dann wieder „zufällig“  mitten durch einen „Freundschaftsladen“, diesmal eine Cloisonné-Fabrikation mit Verkauf. Der Wahrheit zur Ehre sei gesagt, es waren wirklich Qualitätsprodukte, deren Fertigung viel Können erfordert. Nur wie bekommt man die großen Vasen ins Handgepäck?
Der Nachmittag gehörte dann den
Ming-Gräbern, voran das von Kaiser Yongle (1404-24). Beeindruckend hier die Stelen, Tore und der „Weg der Seelen“ mit den Tier- und Menschenskulpturen. Es geht dazu die Sage um, die sitzenden und die stehenden Figuren würden sich um Mitternacht in der Wache ablösen. Von dort ging es zum Kaisergrab Zao Lings.

Die Rückfahrt führte dann über eine Jadeschleiferei, in der wunderbar gefertigte Arbeiten aus dem grünen Stein von teilweise enormen Ausmaßen zu sehen waren. Macher wurde dort schwach und erstand günstig ein nettes Schmuckstück. Als Abendveranstaltung  wurde eine gekürzte Fassung der Pekingoper geboten. Dekorationen und bunt geschminkte Schauspieler konnten wir aus der ersten Reihe bewundern: Fremd in Ton und Gestik faszinierte uns besonders die Mimik des Affenkönigs, der den Pfirsichgarten plünderte.

Die Nacht zum Dienstag, 02.11. war kurz, um 7 Uhr mussten die Koffer bereits vor den Türen stehen. Es ging direkt zum Himmelstempel, Tiantan Si, einem  morgendlichen Treffpunkt der Pekinger Rentner. In weitläufigen Parkanlagen vor dem Eingang fanden sich die Älteren zum Mayong-, Karten- oder Brettspiel, zum Musizieren oder Schattenboxen.

Die Junggebliebenen übten sich in Tai Chi und Qigong oder aber, was alle erstaunte, im Tanzen - unter Anleitung im Freien - nach Kassettenradio. Tango und Walzer waren gerade „in“.  Übrigens waren auch hier keine Hunde sichtbar – in Beijing dürfen Hunde nur von 19 bis 07 Uhr ausgeführt werden!

 

Dann erst betraten wir den Platz vor dem Himmelstempel, wo auch das Gruppenfoto entstand:      

 

 

 

Der Tempel symbolisierte die Mittlerrolle des Kaisers: Die drei Etagen stellen denHimmel, den Kaiser als Mittler und die Erde dar. Von hier hatten wir noch zum Abschluss einen schönen Rundblick über die Stadt.

hieß es zum Flughafen aufbrechen. Dort erfuhren wir die sorgfältigste Gepäckkontrolle: nur eine Wasserflasche war gestattet und so wurden etliche Whisky-Flaschen konfisziert. Es gelang uns nicht, Whisky als wichtige Medizin zu deklarieren. Zwei Flugstunden später hatten wir den modernen Flughafen Shanghai erreicht, die „Boomtown“ im Reich der Mitte. Hier staunten alle. Schon die Fahrt im Transrapid überraschte uns, wie auch den zufällig mit uns fahrenden Bayerischen Minister Dr. Thomas Goppel - leise und entspannend bei 435 km/h!

Vor unseren Augen rasten Shanghais gigantische Baustellen vorbei, sie würden in Europa größte Aufmerksamkeit erregen. Hier sind sie allgegenwärtige Zeichen des Aufschwungs einer brodelnden Stadt. 4000 Hochhäuser gibt es hier momentan, davon 1600 über 20 Stockwerke. Es herrscht Aufbruchstimmung, wie bei uns nach der Währungsreform. Alte Stadtteile verschwinden und machen menschenwürdigen Wohnungen Platz. Der Verkehr wird über breite Alleen und Hochstraßen geführt und ist hektisch, obwohl Lkw`s nur mit Genehmigung, und meist nur nachts, in die Stadt einfahren dürfen. Schwerbeladene Radfahrer und Lastenträger gibt es aber dennoch. Und überall erkennt das geübte Auge deutsche Produkte und Werbung deutscher Firmen. Gewohnt haben wir im Hotel Hua Ting, mit interessanten Ausblicken auf die Stadt und den auf Straßen verschiedener Höhe vorbeibrausenden Verkehr. Nach einem schnellen Kleiderwechsel ging es ins Convention Center  zur Eröffnung des Welt-Ingenieur-Kongresses. Wir waren, zusammen mit einigen hundert, wenn nicht  einigen tausend, Teilnehmern zum Empfang des Oberbürgermeisters geladen. So standen alle mit einem Getränk in der Hand und warteten auf die Eröffnungsansprache und die Freigabe der vier riesigen Buffets. Da es kaum Sitzplätze gab, hatten einige von uns richtig spekuliert: Nach der Buffeteröffnung stürzten alle Chinesen sofort los. So gelangte man an die raren Sitzplätze, die wir dann auch standhaft verteidigten. Es kamen dann doch einige interessante Gespräche mit den freundlichen und auskunftsbereiten Chinesen zustande.

Der Vormittag des Mittwoch, 03.11., gehörte dem „World Engineer´s Convention“ (WEC). Wir lauschten den Honoratioren bei ihren Eröffnungsreden und sahen Kofi Annan auf der Leinwand ein Grußwort sprechen. Einige unserer Gruppe besuchten noch die Foren. Die Besucher verließen die Veranstaltung mit einer Tragetasche und etlichen Berichtsbänden. Die Organisatoren hatten es geschafft, zum Beginn des Kongresses alle Vorträge gedruckt und auf CD gespeichert abgeben zu können - Respekt! Nachmittags stand eine Stadtrundfahrt an mit Halt am Volksplatz, d.h. vor der hypermodernen Oper und dem Museum. Der Platz wird eingerahmt von beeindruckenden Hochhäusern, wie in New York, nur schöner. Bewunderung erregte dann bei einer Hafenrundfahrt die Skyline mit modernster Büro- und Hotel-Hochhausarchitektur. Und vom 89. Stockwerk des Yin-Mao-(Hyatt)-Towers (die Fassade stammt aus Schwaben) genossen wir den Rundblick bei Sonnenuntergang. Als dann aber die unendlich vielen, bunt flirrenden Leuchtwerbungen aufflammten, zeigte die Stadt ihr interessantestes Gesicht. Der Umgang mit Energie scheint sorglos zu sein, was auch die unzähligen Fensterklimageräte an den Wohnhäusern zeigen. Abends folgten wir nochmals einer Einladung des WEC zu einer  Kulturveranstaltung.

 Am Donnerstag, 04.11., waren weitere Stadterkundungen angesagt: Die Altstadt mit ihrem buntem Treiben in engen Gassen und kleinen Läden durchstreiften wir und besuchten den „Garten des Erfreuens“, Yu Yuan. Er erfreute uns mit seinen intimen Gartenanlagen, dem Goldfischteich und den Beamtenhäusern. Unmittelbar daneben liegt das berühmte „Teehaus im Herzen des Sees“ mit der Zickzackbrücke. Diese Zickzackform bewahrt nach chinesischen Glauben vor Dämonen, denn sie könnten nur geradeaus laufen. Dann wurde noch einer Seidenspinnerei und dem Tempel mit dem Jadebuddha ein Besuch abgestattet. Die Dämmerung erlebten wir auf der Promenade „Der Bund“, ein altes Viertel mit imposanten europäischen Gebäuden aus der Kolonialzeit am Ufer des Yangzi – und einem Blick auf die Silhouette von Pudong - und nahmen an einer(recht teuren) Teezeremonie in einer der Probierstuben teil. Der Abend gehörte dann den Akrobaten, deren faszinierende Vorführungen wir in einem Theater verfolgten.

Nachdem wir uns am durchweg reichhaltigen und abwechslungsreichen Frühstücksbüffet gestärkt hatten, besichtigten wir  am Freitag, 05.11., in der Stadt Anting das Gemeinschaftsunternehmen   „Shanghai Volkswagen“ in dem der Typ Polo und Passat hergestellt wird. VW hat in China 36 % Marktanteil errungen. Die Führung übernahmen zu unserem Erstaunen junge Mädchen. Auf offenen Wagen wurden wir durch die weitläufigen Produktionsstätten gefahren. Hier gibt es keine endlose Fliessbandfertigung sondern Gruppenarbeit.

Unser Mittagessen war ein kurzer Lunch, dafür fand das Abendessen in einem mongolischen Restaurant statt, was geschickt mit dem Verkauf von Produkten aus Kaschmirwolle verbunden wurde. Die Zubereitung der selbst ausgewählten Speisen auf einer überdimensionalen Herdplatte überraschte uns nicht so sehr wie die Zubereitungsrituale der Köche. Nach dem Abendessen kehrten wir nochmals in die Altstadt zum „Teehaus im See“ zurück, um die zauberhafte Atmosphäre bei Lampion-Beleuchtung zu erleben. Der Tag klang mit einem Bummel über die grell erleuchtete Nanjing Road aus. Dieses ist die Einkaufsstraße Shanghais, ihre Läden haben 24 Stunden geöffnet und in der Mitte steht ein Paulaner-Bierausschank. Danach hieß es schon wieder Koffer packen.

Am Samstag, 06.11., ging es mit einiger Verspätung mittags per Flugzeug nach Wuhan, einer Industriestadt. Wir aber begaben uns nach einer Mittagsrast und einer Fahrt durch eine auf uns völlig anders wirkende 4-Millionenstadt, auch mit vielen Baukränen, nach Yichang. Direkt dorthin zu fliegen war unmöglich und so mussten wir uns auf fünf Stunden Autobahnfahrt einrichten. Der Vorteil war, man konnte so das flache und seenreiche Land mit seinem intensiven Reis-, Baumwoll- und Obstanbau sehen. Es war spät und dunkel, als wir das Hotel erreichten. Unser Hotel Taohualing überraschte uns dafür mit einem weithin sichtbaren Transparent „Welcome Verein Deutscher Ingenieure Bodensee Bezirksverein“ sowie einem Willkommensgruß des Hoteldirektors auf den Zimmern.

Sonntag, 07.11., stand der Höhepunkt der Reise auf dem Programm, das Drei-Schluchten-Bauwerk mit der gigantischen Staumauer, dem Kraftwerk und den Schiffshebeanlagen à la Niederfinow und  die Schleusenanlagen. Dank Herrn Lohaus wurde uns eine sehr informative Erläuterung des Bauwerks und seiner Realisierung an Hand guter Modelle zuteil sowie eine Führung durch Leitwarte und Turbinenhaus ermöglicht. Dazu war natürlich entsprechende Order nötig, bevor wir an den stramm salutierenden Militärposten vorbei konnten. Der Blick dann vom Aussichtsberg war trotz des Dunstes überwältigend, wie auch der Blick unmittelbar am Eingang zur Turbinenhalle auf die riesige Staumauer. Hochseeschiffe bis 10 000 BRT können in den 5 Stufen der Schleusen um 113 m angehoben werden. Die 26 Turbinen (13 vom Voith General Electric Siemens Consortium) werden im Endausbau 18 GWh Strom erzeugen, was 50 Mio. t/a  Steinkohle spart und damit immense Abgas-Emissionen verhindert. Für und gegen das Projekt werden viele Argumente ins Feld geführt.

Den Abend nutzten viele der Reisegruppe zu einem Bummel durch die Stadt. Ein Durcheinander von Radfahrern und Fußgängern schob sich an Verkaufsständen mit hoch aufgetürmtem Warenangebot jeglicher Art und Garküchen mit zwei oder drei Tischchen am Straßenrand entlang. Über allem baumelte Wäsche an Leitungen und Schnüren quer über die Straßen und Essensgeruch durchzog die trostlosen Häuserschluchten mit seinen vollgestopften Balkonen und den Fensterklimageräten. Hier könnte man sich von umgerechnet drei Euro pro Tag ernähren. Das Obst war bunt und reif, das Gemüse frisch und appetitlich. Dazwischen hing das Fleisch, bekanntermaßen essen die Chinesen ja alles was Beine und Flügel hat. Die Fahrräder waren meist uralt und keines hatte Licht, aber man sah auch einige neuere Fahrräder, Mopeds und relativ viel Autos. Bog man um eine Ecke, stand man in einer anderen Welt: Ein Teeladen am anderen oder nur Handwerker in ihren kleinen Werkstätten.

Am Montag, 08.11., hieß es bereits um 6 Uhr aufstehen und wieder nach Wuhan zurückfahren. Dieses Mal sahen wir aber die Wasserbüffel, pflügenden Bauern und die Baumwollpflücker auf den Feldern, aber auch Fischer und Dörfer mit Ahnentafeln davor. In Wuhan überquerten den viel befahrenen Yangzi-Fluß. Er war übrigens grün d.h. relativ sauber. Als Entschädigung für die Autobahnfahrt erlebten wir noch den Guyan-Tempel mit seinen 500 Buddhas, und als echtes Schmankerl die 1978 gefundenen Grabbeigaben des Fürsten Zeng Hon Yi (?433 v.Chr.) mit einem sehr beeindruckenden Glockenspiel aus 2,5 t Kunstbronze und Klangsteinen. Die 5½  Oktaven Klangbreite wurden uns vorgeführt. Wegen des späten Abflugs folgte noch die Besichtigung einer Seidenteppichweberei in der Altstadt mit ungewohnten Arbeitsbedingungen. Das abendliche Leben spielte sich auch hier auf der Straße ab. In dieser, auch noch nicht modernisierten Stadt abseits der Metropolen ist das Leben der Menschen doch mühselig. Man erkannte erneut, welch enorme Anstrengungen noch nötig sind, damit die Bevölkerung einen Lebensstandard erreicht, der unseren Vorstellungen nahe kommt.

Mitternacht war es, als wir nach einem Flug bis Guilin todmüde in die Betten des so schönen Hotels fielen. Auch hier deutsche Sanitärarmaturen im Bad. Am Dienstagmorgen,09.11., gab es einen tropischen Regenguß, als wir uns in  Yangshuo einschifften - wir traten eine über vierstündige Schiffsfahrt auf dem Li-Fluß an. Diese Landschaft zählt mit Recht zu den großen Sehenswürdigkeiten. Das Wetter besserte sich erheblich, blieb aber wolkig, was für Fotoaufnahmen nicht ohne Reiz war. Es ist eine bezaubernde und abwechslungsreiche Landschaft mit grünen Hügeln und Bambushainen bis an die Ufer. Händler kamen in schlanken Bambusflößen ans Schiff und boten Souvenirs an. Während der Fahrt verwöhnte uns die bordeigene Küche. Dazu gab es Drachen- oder Tsingtao-Bier, letzteres wird nach bayerischen Reinheitsgebot gebraut, ein Überbleibsel der deutschen Kolonialzeit. Zur Verdauung gab es Schlangenschnaps. Wieder in Guilin, haben sich etliche Reisende durch eine gekonnte Fußreflexzonenmassage regenerieren lassen, 10 € umgerechnet waren dafür kein Preis! Anschließend wurde ein abwechslungsreiches Nachtmahl an festlich gedeckten Tischen geboten, denn unsere Reiseführer verabschiedeten sich von uns. Sie flogen leider nicht mit nach Canton und Hong Kong. Wir bedankten uns für ihre Fürsorge und sie überraschten jeden Teilnehmer mit einer Tuschezeichnung vom Li-Fluß.

So gestärkt brachten wir noch spät am Abend einen sehr turbulenten Flug nach Guangzhou (Canton). hinter uns. Unsere Betten standen diese Nacht im berühmten Hotel White Swan. Obwohl Mitternacht, ließen es sich etliche nicht nehmen, noch einen Schlaftrunk in der beeindruckenden Hotelhalle zu nehmen.

Die Nacht war also wieder kurz, denn Mittwoch,10.11., musste rechtzeitig die Zollkontrolle passiert sein, da wir in Canton das chinesische Festland verließen. Um 9.45 Uhr bereits legte der Katamaran ab und es ging in zügiger Fahrt mit und gegen viele andere Schiffe den Perlfluß hinunter bis ans Chinesische Meer, vorbei an E-Werken, Industrie- und Hafenanlagen. Mit uns reisten auch Günther Gührer und Herr Lau, Residenten der mtu Friedrichshafen, die diese Fähre mit Motoren ausgerüstet hatte. So ergab sich die einmalige Gelegenheit, auf der Brücke moderne Navigations- und Steuereinrichtungen betrachten zu können. Gegen Mittag glitt  das Boot an den uniformen Hochhausfronten der New Territories entlang und unter der riesigen Tsing Ma Brücke hindurch bis zu den Piers von Kowloon. Hier ging es wie auf einem Flughafen zu - Kofferabholung vom Band, aber keine Zollkontrolle. Nun standen zwei Busse mit neuen Reiseleitern bereit und sofort ging es auf zur Stadtrundfahrt mit Besuch des Jade- und Vogelmarkts. Unser „Hotel Kowloon“ lag gegenüber dem nostalgischen Hotel „The Peninsula“. Deutlich verschieden von den bisherigen Herbergen war die Zimmergröße in diesem Hotel, jeder Winkel war genutzt. Wir hatten uns so an die großen Zimmer gewöhnt.

Am letzten Tag fand eine ausgedehnte Rundfahrt über die eigentliche Insel Hong Kong statt. Mit der Peak Tram ging es auf den Victoria Peak, der uns einen grandiosen Rundblick über die Stadtteile und den Hafen bot. Aber auch Aberdeen und sein Erholungsgebiet Repulse Bay waren sehenswert und die Mittagsrast erfolgte auf dem im Hafenbecken verankerten Restaurant, das nur per Boot erreicht werden konnte. Hier in Hong Kong hatte jeder Gelegenheit auf eigene Faust loszuziehen. Da die Klimaanlagen überall auf vollen Touren liefen und eher das Prädikat „Jetstream-Industrielüftung“ verdienten, haben sich viele Reiseteilnehmer zum Abschluss noch erkältet. Bereits am Vormittag des Samstag aber musste diese interessante Stadt Richtung Flughafen verlassen werden. Unwiderruflich ging es heimwärts und wer einen Fensterplatz erwischt hatte, konnte noch einen Blick auf die Ausläufer der tibetanischen Bergwelt und die Wüste Taklamakan erhaschen, bis ihm Wolken und eine endlose Dämmerungsphase die Aussicht nahmen. Nach einem 12-Stunden-Flug erreichte die Gruppe wieder  Frankfurt. Herr Lohaus war erleichtert - niemand war erkrankt und kein Koffer verlorengegangen!

Axel Bringmann